PROGRAMM

Veranstaltung 

Programmübersicht

Titel:
Quadriga Consort- "Songs & tunes of the isles"- engl. Renaissancemusik
Wann:
Samstag, 01.05.2010 19.30 h
Wo:
Schloss Tollet bei Grieskirchen -
Kategorie:
Programm 2010 - Zyklus: OÖ. Landesausstellung 2010
Eintritt:
Eur 17
Karten:
 Karten 

Beschreibung

Quadriga Consort



"Songs & Tunes of the Isles"- Musik aus dem alten Irland, England und Schottland

 Das siebenköpfige österreichische Ensemble unter der Leitung des Cembalisten Nikolaus Newerkla erzielte Erfolge bei internationalen Wettbewerben und tritt bei Festivals in ganz Europa und den USA auf. Mit der aus Südafrika stammenden Sängerin Elisabeth Kaplan hat sich Quadriga auf alte populäre Musik von den britischen Inseln spezialisiert.
Die stets in gleicher Besetzung auftretende „Early Music Band“ ist für ihre mitreißenden, beinahe Popkonzerten ähnlichen Auftritte bekannt. Unverwechselbares Markenzeichen des Ensembles ist dabei, dass die durchwegs einstimmig überlieferten Melodien und Lieder, meist traditioneller Natur oder ohne bekannte Komponisten, neu für historisches Instrumentarium arrangiert sind. Unter anderem handelt es sich um Stücke, die – in alten Sammlungen (wieder-)entdeckt – zum ersten Mal seit ihrer Entstehungszeit vor meist über 300 Jahren zur Aufführung gelangen. Als einziges Ensemble der Originalklang-Bewegung hat Quadriga auch Lieder in gälischer Sprache im Repertoire. Teilweise preisgekrönte CD-Einspielungen dokumentieren die innovativen Programme. Die Arrangements von Nikolaus Newerkla bewegen sich stets zwischen historischer Kunstmusik, populärer und traditioneller Musik und sind teilweise auch in Druck erschienen.


QUADRIGA CONSORT

Elisabeth Kaplan – Gesang

Angelika Huemer – Blockflöten, Viola da Gamba

Karin Silldorff – Blockflöten

Dominika Teufel – Viola da Gamba

Peter Trefflinger – Barockcello

Laurenz Schiffermüller – historische Trommeln

Nikolaus Newerkla – Leitung, Cembalo, Arrangements

 
 
Programm
 
Breton Dance (Traditional Bretagne)
 

John Barleycorn (Traditional Schottland. Journal of the Folk Song Society,1615)

 

James Betagh / James Betagh Jig (Melodien von T. O’Carolan, 1670-1738)

                                                                         

The Willow Tree (Traditionelles Lied, England)
 

The Maid Who Sold Her Barley (Broadside-Ballad, England, ursprüngliches Lied von T. D’Urfey, 1688)

 

Captain Higgins / Captain Higgins Jig (Melodien von T. O’Carolan, 1670-1738)

 
Jennie’s Wedding / Monaghan Jig / Cold and Raw

(Reel, Traditional Irland /  Jig, Traditional Irland / J. Playford: The English Dancing Master, 1651)

 
As I Walked Forth

(Englisches Lautenlied, Melodie von Robert Johnson, 1560-1634)

 

Carolan’s Cup / The Two William Davises (Melodien von T. O’Carolan, 1670-1738)

 
- PAUSE -
 
Miss Noble (Jig von T. O’Carolan, 1670-1738)
 

I’m Seventeen Come Sunday (Traditionelles Lied, Schottland. Scots Musical Museum,1792)

 
Lady Catherine Ogle/ Paddy White

(J. Playford: The English Dancing Master, 1651 / Traditional Reel, Irland)

 
Shule Agra (Traditionelles Lied,  Irland 17. Jahrhundert)

Miss McDermott or the Princess Royal (Melodie von T. O’Carolan, 1670-1738)

Puirt a beul (‘Mouth Music’)                                  Trad. gälische ‘Mundmusik’

Siud mar chaidh an càl a dholaidh
(That’s how the cabbage was ruined)
Fear an Dùin Mhòir
(The Earl of Dunmore)
Nam biodh agam gioball bodaich

(If I had a ragged old man)                           

 

Niel Gow’s Lament for the Death of His Second Wife (Melodie des schottischen Fiddlers Niel Gow, 1727-1807)

 

The Saucy Sailor (Traditioneller Sea Song, England. Cecil Sharp: One Hundred English Folk Songs, 1916)

 

Black and Grey (J. Playford: The English Dancing Master, 1651)

 

The Wraggle-Taggle Gypsies, O! (Traditionelles Lied England. Tea Table Miscellany, 1726)
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In England, Schottland und Irland verlief die musikalische Entwicklung immer etwas anders als auf dem europäischen Kontinent. So finden sich etwa Terz und Sext als anerkannte konsonante Intervalle weitaus früher als im Rest von Europa. Das liegt vor allem daran, dass sich gerade auf den Inseln die Grenzen zwischen Kunst- und Folkmusik nie so deutlich abgezeichnet haben wie auf dem Festland.

 

Das Liedgut ist unerschöpflich. Es lebt vom Einfallsreichtum in der Melodieführung und seinen vielfältigen musikalischen Formen. Die Stücke wurden über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben; einige davon sind bis heute gängiges Volksgut geblieben. Häufig wurden sie mit neuen, gerade aktuellen Texten unterlegt, was wiederum geringfügige Änderungen der Melodien nötig machte. Dadurch hat bis heute jeder einzelne Interpret Anteil an diesem Umformungsprozess. Die ersten schriftlichen Sammlungen und Editionen entstanden etwa ab dem 17. Jahrhundert, notierte Folksongs und Tunes waren aber auch damals lediglich als Momentaufnahmen der sich ständig wandelnden Stücke zu begreifen.

 

Wir haben uns auf Spurensuche in das alte England, Irland und Schottland begeben und dabei unsere Leidenschaft für die bewegenden Lieder von Liebe und Tod, Freud und Leid, aber auch für die Instrumental- und Tanzmusik mit ihren ausgelassenen Jigs und Reels entdeckt

 

Über die Stücke

 
 

Nach der Vertreibung der keltischen Bevölkerung Südenglands um das Jahr 500 durch Angeln und Sachsen konnten sich die Bretonen am europäischen Festland in der heutigen Bretagne behaupten und ihre Kultur sowie eine eigene Form der keltischen Sprache bewahren. Die Nähe zu den Inseln ist bis heute sowohl geografisch als auch kulturgeschichtlich offensichtlich. Dieser Umstand erlaubt es, auch die musikalischen Grenzen großzügiger, in diesem Fall über den Ärmelkanal hinaus zu ziehen. Breton Dance ist ein typisches Beispiel für die auch heute noch beliebten Gruppentänze der Bretagne. Im speziellen Fall handelt es sich um einen zweiteiligen Tanz, in welchem sich ein An Dro („Drehung“) im 4/4-Takt und eine Gavotte im 6/8-Takt abwechseln.

 

Das schottische Lied über John Barleycorn war schon lange vor dem Erscheinen im Journal of the Folk Song Society (ca. 1615) äußerst be­liebt. Der Name John Barleycorn steht für die Personifizie­rung des Gerstenkorns (barley = Gerste) und wird bis heute als Termi­nus für starken Whiskey verwendet. Gerste war, außer als Zutat zur Herstellung von Whiskey und Bier, bis ins 16. Jahrhundert die verbrei­tetste Brot-Getreidesorte. Im Lied kommt John Barleycorn selbst zu Wort und schildert dabei die Qualen, die er über sich ergehen lassen muss, beginnend bei der Ernte, über den Dreschvorgang und das Einweichen in Wasser, die Trocknung bis schließlich hin zum qualvollen Mahlen in der Mühle.

 

O’Carolan’s Melodiekompositionen James Betagh, Captain Higgins, Miss Noble und Miss McDermottgelten als sogenannte Planxties. Unter einem Planxty verstand man ein Musikstück, das als Hommage an einen Gönner oder Schirmherrn entstanden ist, in den konkreten Fällen also für die oben genannten Zeitgenossen O’Carolan’s, die im Irland dieser Zeit mehr oder weniger angesehen waren, jedenfalls aber einen Bekanntheitsgrad als Personen der „High Society“ genossen.

 

Über den Ursprung des traditionellen englischen Liedes The Willow Tree, ist wenig bekannt. Es existieren ein irisches und ein amerikanisches Lied mit dem gleichen Titel, die aber inhaltlich abweichen. The Maid Who Sold Her Barley erscheint ursprünglich in Thomas D’Urfey’s Songs of Wit and Mirth (1719). Später entstanden einige Versionen des Liedes mit neuem Text, so genannte Broadside Ballads, zu denen auch die Version dieses Programms zählt.

 

Jennie's Wedding ist ein Beispiel für einen irischen Reel, den ursprünglich aus Schottland stammenden traditionellen Tanz im 4/4-Takt. Monaghan Jig dagegen ist ein Beispiel für die schon im alten Irland heimische Jig, häufig im 6/8 Takt. Der Titel dieser Jig bezieht sich auf die Grafschaft und Stadt Monaghan in den irischen Midlands.

 

John Playfords Dancing Master ist sicherlich die bekannteste Sammlung früher traditioneller Melodien im angelsächsischen Raum. Der vollstän­dige Titel (The English Dancing Master: or, Plaine and easie Rules for the Dancing of Country Dances, with the Tune to each Dance. London, Printed by Thomas Harper; and are to be sold by John Play­ford, at his Shop in the inner Temple neere the Church doore, 1651) verrät das ursprüngliche Hauptanliegen des Werkes: Der mo­dernen Oberschicht, in welcher es schick geworden war, die Tänze des Volkes zu tanzen, sollten – außer den notierten Melodien – detaillierte  Tanzanleitungen und Schrittfolgen geboten werden. Cold And Raw, Lady Catherine Ogle und Black And Grey stammen aus dieser Sammlung. 

 

As I Walked Forth erscheint in John Playfords Liedersammlung Ayres and Dialogues (1652-1659) und später auch in Treasury of Music (1669). Das Lied wird dem englischen Hof-Musiker Robert Johnson (1560-1634), der es als Lauten-Lied konzipiert hat, zugeschrieben.

 

Der alte, bis heute bekannte Irish Tune Carolan’s Cup stammt möglicherweise gar nicht von Turlough O’Carolan, unumstritten ist jedoch, dass er die Melodie gespielt und für seine Zwecke abgewandelt hat. Der Titel ist dem Stück also erst nachträglich verliehen worden. Das ursprüngliche Musikstück ist mehrfach in Druck erschienen, am häufigsten unter dem Titel „Ar bhruach n carraige báine – On the brink of the white rocks“.

Große Ähnlichkeiten mit dem beliebten schottischen Stück „Killiecrankie“ weist The Two William Davises auf. Obwohl die Melodie wahrscheinlich ebenso wenig von O’Carolan stammt, so gilt als gesichert, dass ihm der mit der Melodie einhergehende gälische Text zuzuschreiben ist, weshalb der Tune auch in der Regel zu Carolans Kompositionen gezählt wird. Jedenfalls zeichnet das Lied die kontrastierenden Charaktere der beiden „Davises“ auf humorvolle Weise: Den einen, älteren, als mürrischen Geizhals; den anderen, dessen Sohn, hingegen als freigebigen und großherzigen jungen Mann.

 

Eine der vielen unterschiedlichen Versionen von I’m Seventeen Come Sunday erschien in Scots Musical Museum (1792).  Darin findet man einen Soldaten entflammt in Zuneigung zu einem jungen Mädchen, das je­doch, wie schon der Titel des Liedes verrät, erst kurz vor ihrem 17. Geburtstag steht. Der junge Mann muss also zuerst die Erlaubnis der Mut­ter einholen, bevor er seine Angebetete zur Frau nehmen kann.

 

Shule Agra ist eine weitere tragische Ballade von Liebe und Tod. In diesem irischen Lied aus dem 17. Jahrhundert singt eine Frau von ihrem Schmerz und der Sehnsucht nach dem Geliebten, der in den Krieg zog.

 

Puirt a beul ist gälisch und bedeutet übersetzt „Mundmusik“. Gesungene Tanzmusik also. Der Rhythmus des Textes ist wichtig. Der Inhalt allerdings gar nicht, Hauptsache, es klingt gut. Das ganze kommt einstimmig gesungen daher, höchstens noch mit Begleitung einer Trommel. Die Texte dieser drei kurzen Puirt a beuls berichten – sinnentleerter Weise – vom Mehl, das sich am Topfboden angebrannt hat, von Mary, mit der leider niemand herumtollt und schließlich von einer Frau, die, hätte sie eine alten zerlumpten Mann, diesen wohl mehrfach im Bach einweichen würde, um ihn wieder taufrisch zu bekommen.

 

Der berühmteste schottische Fiddler Niel Gow (1727-1807) hat unzählige bis heute beliebte Melodien hinterlassen, unter ihnen auch Lament for the Death of his Second Wife für seine nur zwei Jahre vor seinem eigenen Tod verstorbene geliebte Frau Margaret Urquhart.

 

Ein weiteres Lied aus der bereits erwähnten Sammlung von Cecil Sharp ist der englische Sea Song The Saucy Sailor, der bereits seit dem 18. Jahrhundert zur See gesungen wird.

 

Die ersten gedruckten Versionen der Ballade The Wraggle-Taggle Gypsies, O! findet man schon vor 1720. Der Text erzählt die wahre Geschichte einer Lady, die ihren Ehemann verlässt, um mit einem Zigeuner durchzubrennen. Besonders in einer Zeit ausgeprägter Standesdünkel, da die Angehörigen dieser Volksgruppe – wie so oft in der Geschichte – als Feindbild gesehen wurden und immer wieder Verfolgungen und Vertreibungen ausgesetzt waren, muss so ein Handeln einen gesellschaftlichen Aufschrei ausgelöst haben. 1788 wurde das Lied mit John, dem sechsten Grafen von Cassilisund dessen erster Frau Lady Jean Hamilton in Verbindung gebracht. Viele Versionen des Lie­des haben ein glückliches Ende, obwohl die wahre Geschichte nicht nur für den nicht standesgemäßen Liebhaber fatal endete. Eine ganze Gruppe Zigeuner wurde zum Tod durch den Strang verurteilt.

 

Nikolaus Newerkla

Veranstaltungsort

Venue:
Schloss Tollet bei Grieskirchen